Der Jakobusweg ‐ Camino de Santiago

Warum die Menschen am Wegesrand so wichtig sind

Reinhold und Monika Hanna referieren über fränkischen Jakobsweg – Das Ursprüngliche erhalten

13.10.17   Vor über zwei Jahrzehnten hat Reinhold und Monika Hanna „ein Virus“ gepackt und seither nicht mehr losgelassen: Das bekannte Münchner Autorenpaar mit fränkischen Wurzeln hat sich mit Haut und Haar dem Jakobsweg verschrieben. Unzählige Mal waren sie schon in Santiago de Compostela, immer wieder pilgern sie in ganz Europa auf dem Jakobsweg. Und auch wenn der finale Abschnitt in Spanien der Berühmteste sein mag: Der fränkische Jakobsweg, von Kronach über Lichtenfels, Bamberg und Forchheim nach Nürnberg, sei einer der schönsten. Das zeigten die Hannas im Rahmen eines Multivisionsvortrag im Gemeinschaftshaus Oberleiterbach auf.

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„Wir stammen beide aus der IT-Branche und haben irgendwann angefangen, zum Ausgleich auf dem Jakobsweg zu laufen“, erläutert die 71-Jährige im Gespräch mit dieser Redaktion. „Geschichte und Kultur haben mich schon immer interessiert. Und so packte uns der Jakobweg-Virus.“ So sorgten die Wahl-Münchner beispielsweise dafür, dass der Weg „vor unserer Haustüre“, also zwischen München und dem Bodensee, im Zeichen der Muschel markiert wurde. Und sie schrieben vier Bücher, die immer wieder aktualisiert werden, um Appetit auf den bekanntesten Pilgerweg Europas zu machen.

Oberleiterbach kennen Reinhold und Monika Hanna seit 2005, als sie zum ersten Mal durch den Ort am fränkischen Jakobsweg kamen und von der wuchtigen Kirche beeindruckt waren. „Das Dorf ist wunderschön“, lobten sie die Lätterbocher bei ihrem Multivisionsvortrag. Sie hatten sich sogar die Zeit genommen, um zuvor durchs das Bundesgolddorf zu schlendern und sich an den Tafeln des Historischen Dorfrundgangs über die baulichen Besonderheiten zu informieren. Selbstverständlich findet Oberleiterbach auch in ihren Büchern Berücksichtigung.

„Da mittlerweile tausende Pilger pro Tag die Wegstrecken in Spanien laufen, hat es nicht mehr den ursprünglichen Charakter“, meint Reinhold Hanna ein wenig traurig. Erst vor wenigen Tagen waren sie wieder auf der iberischen Halbinsel. Anders sei es auf dem Schweizer, dem französischen Jakobsweg oder dem in Franken: Hier schätzten die Menschen am Wegesrand die Pilger noch, plauschten mit ihnen, würden ihnen Tipps geben, böten ein Quartier an oder mal einen Kaffee zur Stärkung. „Genau das brauchen die Pilger. Hat man all das nicht, ist es bloß eine Wanderung.“ Apropos Stärkung: Sehr freuen sich die Autoren, dass es in Oberleiterbach seit einigen Monaten einen Pilgerbrunnen in der Ortsmitte gibt, Sitzgelegenheit inklusive. Und dass man sich in der tagsüber immer offenen Sankt-Laurentius-Kirche einen Kirchenstempel als Angedenken holen kann.

„Spiritualität beim Pilgern fängt von unten an“, meinte Monika Hanna in ihrem Vortrag. Durch das Laufen und die körperlichen Anstrengungen („Der am Anfang leichte Rucksack wiegt irgendwann zentnerschwer“) in Verbindung mit den Erfahrungen am Wegesrand komme man Schritt für Schritt dem Heiligen Jakobus näher, befreit von den Zwängen des Alltags und der modernen Zivilisation. Wie zum Beweis hatten sie einen Film über ihre Pilgerreise aus dem fränkischen Jakobsweg mitgebracht, der die Zuhörer regelrecht in seinen Bann zog. Darin enthalten war auch eine kurze Sequenz über Oberleiterbach – und bei den Liedern, mit denen das Video untermalt waren, sangen die Anwesenden zum Teil gleich mit. Und sie waren sich einig, dass der gastgebende Gartenbauverein das sympathische Ehepaar aus der Landesshauptstadt bald mal wieder in den „Gottesgarten am Obermain“ einladen müsse.

Weniger…

Viele Wege führen nach Rom. Mindestens genauso viele führen nach Santiago de Compostela. Und es werden stetig mehr. Seit der Einweihung im Jahr 2005 wandeln auch die Oberleiterbacher täglich ca. 520 Meter auf einem der fränkischen Teilstücke des wohl berühmtesten Pilgerwegs der Welt. Dieser fränkische Jakobusweg beginnt im thüringischen Almerswind , im Anschluss an den von Erfurt kommenden thüringischen Jakobusweg, und führt über Coburg und  Lichtenfels nach Vierzehnheiligen über den Staffelberg, durch Oberleiterbach zunächst nach Bamberg und von hier aus weiter nach Nürnberg. Dort trifft er auf weitere Jakobuswege. Alternativ gibt es einen weiteren fränkischen Camino, der in Kronach beginnt und sich in Lichtenfels mit dem von Thüringen kommenden Weg vereint. Die 32 Kilometer von Lichtenfels bis Ebing werden vom Rennsteigverein Zapfendorf e.V. betreut.

Von Oberleiterbach aus trennen die Pilger noch ca. 2580 Kilometer bis zum Grab des Apostels Jakob dem älteren der 44 n.Chr. zum ersten Märtyrer wurde und der Legende nach in der Kathedrale des spanischen Santiago de Compostela seine letzte Ruhe fand.

Pilgern macht durstig! Leider gibt es wenige Möglichkeiten sich auf dem Weg mit frischem Wasser zu versorgen. Laut Strophe 5 und 6 des Frankenlieds bekam dessen Verfasser, Joseph Viktor von Scheffel, von dem als Eremit auf dem Staffelberg wohnenden Franziskaner Mönch Ivo Hennemann, der gebürtiger Oberleiterbacher war, nichts zu trinken. Da dieser lieber einen Plausch mit der schönen Schnitterin hielt. Nun, wir Oberleiterbacher plaudern eben gern. Allerdings haben wir uns etwas überlegt.

Seit Mai 2017 gibt es nun für Pilger und Wanderer einen Trinkbrunnen mit frischem Trinkwasser. Eine gemütliche Sitzgruppe lädt zum Verweilen ein. Wer seine Akkus wieder aufgeladen hat, kann nun frisch gestärkt vorbei an unserer Sankt Laurentiuskirche, hinter der Ivo Hennemann seine letzte Ruhe fand, auf der Straße der Sterne weiter ziehen.

Übernachtungsmöglichkeiten

Unser schönes Dorf liegt genau richtig um hier, kurz vor dem Ende des Pilgertages, nach einem Nachtlager Ausschau zu halten.

Wer gerne in der Pilgerherberge der Benediktinerinnen Abtei Maria Frieden übernachten möchte kann seit 2015 an unserer St. Laurentiuskirche dem „Zubringerweg zur Pilgerherberge“ folgen. Nach 2,5 Kilometern kann man im ehemaligen Schulhaus von Kirchschletten den Tag entspannt beschließen. Am nächsten Morgen gelangt man dem „Zubringerweg zum Jakobusweg“ folgend zurück zum Jakobusweg in Zapfendorf.

Wer den Pilgerweg nicht verlassen möchte, kann sich auf der Internetseite der Gemeinde Zapfendorf  eine für ihn passende Schlafstätte suchen.


Eine fröhliche Pilgerschaft!

Ultreja!